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17 Fragen an… Tina Guenther von „sozlog“

23. Juli 2008 Einsortiert in 17 Fragen an..., Cafegespräche

Ein wunderbares Beispiel, wie man Weblogs als wissenschaftliches Arbeitsinstrument einsetzen kann und damit das eigene Forscherprofil schärft und präsentiert, ist Tina Guenther. Mit ihrem „sozlog“ ist Tina eine der allerersten Adressen, wenn es um sozialwissenschaftliche Analysen und Notizen geht.

Arbeitsschwerpunkte von Tina sind v.a. die Wirtschafts- und Organisationssoziologe. Immer stärker widmet sie sich allerdings den Themenfeldern der (Online-)Medien, dem Aspekt des „Vertrauens“ im Internet und der SocialMedia-Nutzung im akademischen Kontext. Hier hat sie zuletzt auch spannende Artikel zur sog. Prodnutzung von Wissen durch Nutzung von Web2.0-Instrumenten publiziert.

Und selbstverständlich führt Tina ein hervorragendes Forschertagebuch – denn wenn Tina bspw. auf einer Konferenz ist, dann darf man kurz darauf mit Sicherheit eine detaillierte Zusammenfassung darüber lesen, die garantiert informativer ist, als alles andere, was man sonst so finden kann.

Anlaß genug, um endlich mit der bloggenden Soziologin zu reden:

Tina GuentherDr. Tina Guenther
Soziologin
Sozlog

Bloggt seit:
Posts:
Wissenschafts-Café-Profil: hier

1. Worüber hast Du zuletzt gebloggt?

Wie sich die US-Kredit- und Immobilienkrise auch hier bei uns in Deutschland auf die Konjunktur auswirkt. Die Pleite von Indimac und die Kursstürze bei Fannie Mae und Freddy Mac, die allein ca. 5 Billionen US $ der amerikanischen Immobilienhypotheken refinanzieren, werden nicht das Ende vom Lied sein. Bisher waren Politiker, Analysten und Medien sehr zurückhaltend – weiß man doch um Robert K. Mertons selbsterfüllende Prophezeiung. Empfiehlt man öffentlich den Menschen, von ihren Kreditvorhaben abzusehen, ihre Ersparnisse zu sichern und sich einzuschränken, trägt man zu einer Beschleunigung der Krisendynamik und zur Abwärtsspirale bei.

Inzwischen kommt man aber nicht mehr drumherum: Wenn die Krise Deutschland erreicht hat, die Pleitewelle rollt und viele Arbeitsplätze verloren gehen, wird es Firmen und Privatmenschen hier in Deutschland viel härter treffen wird als zu den Zeiten des korporativen Kapitalismus. Bis Mitte der 1990er Jahre waren deutsche Konzerne über die finanzielle und personelle Verflechtung in der Deutschland AG eingebunden und notfalls sogar durch staatliche Eingriffe vor Pleite geschützt, Arbeitnehmer waren durch einen gut ausgebauten Sozialstaat abgesichert. Mit ihrer Hinwendung zu den globalen Finanzmärkten haben Konzerne frisches Aktienkapital und wunderschöne Renditen im Investmentgeschäft erhalten. Aber das waren die letzten Jahre eines sehr lange andauernden Booms. Demnächst werden wir erleben, wie sich eine Rezession anfühlt.

2. Wie erklärst Du beim Party-Smalltalk, womit Du Dich wissenschaftlich beschäftigst?

Bei Sozialwissenschaftlern ist es eher umgekehrt: Der Gesprächspartner ist ein wichtiger Informant. Ist man also selbst hinter Themen und Fragen her wie „Wie wandeln sich Unternehmen im Zeichen der Globalisierung?“, “Das Internet als globaler Wissensspeicher” oder “Wie wird Vertrauen im Internet konstituiert?” ist man ja selbst derjenige, der fragt.

Als Sozialwissenschaftler ist man häufig selbst derjenige, der fragt.

Was machen die Menschen z.B. im Netz, und mit welchen Erwartungen gehen sie online, was erleben sie dort, wie organisieren sie Wissen im Alltag und im Netz? Wie verbinden sie individuelle und kollektive Wissensvorräte? Welche Erscheinungsformen hat das Vertrauen im Netz und wo kommt es an seine Grenzen? Man ist also gespannt, was einem die anderen erzählen. Im nächsten Schritt muss man aus vielen disparaten Stücken was Sinnvolles und Neues zusammenbauen – das könnte die anderen dann wieder interessieren.

3. Hast Du schon einmal daran gedacht, die Wissenschaft an den Nagel zu hängen?

Nein, Wissenschaftler sind Getriebene. Allerdings bedeutet die Wissenschaftsreform der vergangenen Jahre eine Erschwernis für den Nachwuchs, Wissenschaft als Beruf auszuüben. Selbstverständlich ist die gegenwärtige Professorengeneration dafür nicht allein verantwortlich – Wissenschaftspolitik macht’s möglich – aber durchaus mitverantwortlich.

Niemand kann mir plausibel machen, dass Professoren, die ihr Amt jahrzehntelang ausgeübt haben, selbst aktiv Entscheidungen in Fachbereichsräten, Gutachterausschüssen, Beiräten und anderen Gremien beteiligt, nicht an den Verhältnissen mitgewirkt haben, welche die nächste Wissenschaftlergeneration erbt. Wer abstrakt vom Regime der Ausschreibungen und Evaluationen und Konsekrationsinstanzen im Wissenschaftswesen spricht, sich jedoch selbst daran orientiert, mit Entscheidungen konstant an seiner Ausgestaltung und Verfestigung mitwirkt, steht selbst für dieses Regime.

Argumentationen, wonach nur objektive Strukturen bzw. die Formalstruktur der Organisation verantwortlich sein soll, kann man durchbrechen, indem man das Gegenüber als Akteur anspricht und nicht aus seiner (Entscheidungs-)Verantwortlichkeit entlässt.

4. Und womit ließe sich stattdessen die Zeit vertreiben?

Mediengestaltung zum Beispiel. Self-Made-Medien haben aber auch einfach etwas absolut Faszinierendes. Wir sind die erste Generation, seit der Sesamstraße, Muppet-Show, Comics und Heim PC Medien eingeatmet hat. Keine Generation vor uns hat vergleichbare Kompetenzen der Medienauswahl und -gestaltung. Und dass Medien Kinder und Jugendliche zu passivem Medienkonsum verdammt sind, halte ich für eines der bestgepflegten Gerüchte im Rahmen einer medienfeindlichen und zudem verlogenen Erziehung von Eltern und Lehrern.

Wir sind nicht zu passivem Medienkonsum verdammt!

In meiner Schulzeit wurde Geschichtsunterricht nicht selten durch Einlegen einer Videokasette mit ausgesucht schlechten Filmen ersetzt. Heute wählen wir selbst aus, welche Nachrichten aus welchen Quellen wir spannend finden, und wir gestalten auch die Medien selbst, in diversen Formaten, mit (potenziell) globaler Reichweite, ohne Bevormundung durch Redaktionen und zum Nulltarif.

5. Das nervigste Detail am wissenschaftlichen Betrieb?

New Public Management und organisationales Rechnen. Ich habe vollstes Verständnis dafür, dass sich Unternehmen, die in der Wirtschaft angesiedelt sind und mit Märkten als Umwelt konfrontiert sind, die Marktlogik zu eigen machen – schließlich habe ich Strukturen und Funktionen der Anpassung der Unternehmensorganisation an globale organisationale Felder durch Wirtschaftsunternehmen in meiner Dissertation am Beispiel Bayer untersucht. Da ist eine klare Orientierung an Märkten (bzw. relevanten organisationalen Feldern) geboten.

Doch werden marktliche Mechanismen als Steuerungsinstrument in der Wissenschaft eingesetzt, um Anreize für wünschenswertes Verhalten der Akteure im Sinne der Organisation zu setzen, wirken sie sich für akademische Forschung und Lehre störend aus und gefährden sogar die professionelle Autonomie, denn der Auftrag der Wissenschaft ist nun mal Forschung (nicht Profit) und die Wissenschaft beansprucht Freiheit der Forschung.

Wissenschaft darf nicht dem Nützlichkeitsdenken unterworfen werden!

Schon die politische Forderung, dass die wissenschaftlichen Disziplinen zu etwas nutze sein müssen, um ihren Bestand zu legitimieren, ist hochproblematisch: Ist das die Legitimation zur Abschaffung aller anderen Disziplinen?! Wer etwas über die Praktiken der Soziokalkulation erfahren möchte – also was machen die Regulierer, wenn sie rechnen – dem sei Uwe Vormbuschs Aufsatz “Die Kalkulation der Gesellschaft ”in Menniken/Vollmer (Hg.). Zahlenwerk. Kalkulation, Organisation und Gesellschaft beim VS-Verlag empfohlen. Er hat das wunderschön erklärt.

6. Wie erklärt man in drei Sätzen, weshalb Wissenschaft dennoch faszinierend ist?

Entdeckung. Sloterdijk spricht von Entdeckung ja etwas provozierend von der “Tateinheit von Sichtung, Landung, Inbesitznahme, Benennung, Kartierung und Beurkundung” in „Im Weltinnenraum des Kapitals“ (2005). Die Entdeckung des Offline-Globus ist schon weit vorangeschritten, und die Entdeckung des Online-Globus läuft auf Hochtouren. Aber Soziologie ist außerdem Reflexion und Interpretation der Welt aus einem bestimmten Blickwinkel: Sinndeutung und Orientierung.

7. Die beste Antwort, was man unter Web 2.0 und/oder der Blogosphäre versteht?

Das Web2.0 ist ein soziales Universum, in dem potenziell jeder auf Sendung ist.

Ein soziales Universum, in dem (potenziell) jeder auf Sendung ist, wann, wo und zu was auch immer. Die Frage “Und was ist eigentlich Dein Auftrag?” gewinnt hier eine völlig neue Dimension – man kann Unternehmer sein, politischer Aktivist, Entertainer, Autor, Künstler Wissenschaftler, Journalist, und das alles, indem man Content, Code und Metadaten produziert oder kreativ neu kombiniert.

8. Auf welche Weise bist Du zum Bloggen verführt worden?

Sozlog entstand mit der Vorstellung, dass die Funktionen, die eine moderne Büroorganisation einem akademischen Forscher oder Lehrer bietet, durch das Internet ersetzbar sein müssten. Wenn ich sage, dass ich viel mehr bekam, liegt das selbstverständlich auch daran, dass mit dem Max Planck Institut für Gesellschaftsforschung in Köln eine Perle direkt vor der Haustür habe, Konferenzen und Workshops besuche und der Mehrwert aus der Kombination entsteht.

Aber das Internet als globaler Wissensspeicher, Ressource für das professionelle Netzwerken und Forschungsgegenstand hat meine ursprünglichen Erwartungen in den Schatten gestellt.

9. Mehr als Kopfschütteln geerntet als Du Kollegen von Deinem Blog erzählt hast?

Ja, auch vereinzelte Versuche der Verunsicherung und Einschüchterung – die haben bei mir Kopfschütteln ausgelöst. Fühlt sich vielleicht jemand durch Autonomie und Authentizität durch Wissenschaftler bedroht – Herrschaftssysteme vielleicht?! Viel häufiger wird man aber positiv auf Beiträge, Positionen etc. angesprochen, oder die Leute nehmen Bezug auf Beiträge, das freut einen sehr.

Leider gibt es keine Anreize für gute wissenschaftliche Blogs.

Dennoch wünsche ich mir institutionelle Anreize und Belohnungen wertvolle wissenschaftliche Weblogs. Konkret wünsche ich mir mit dotierte und mit Aufstiegschancen verbundene Preise für herausragende Wissenschafterblogs von Forschungsinstitutionen oder professionellen Vereinigungen. Das würde auch höherrangigen Wissenschaftlern solide Anreize zum Bloggen geben.

Aussagen einiger Professoren, dass sie ihre knappe kostbare Zeit nicht für triviale Dinge wie das Bloggen aufwenden möchten, lässt sich entgegenhalten, dass einige prominente Autoren wie Etzioni, Reich, Giddens und Castells auch schon bloggen oder gebloggt haben, die Sozioblogosphäre wächst und sich international besser vernetzt.

10. Ein unschlagbares Argument für einen wissenschaftlichen Blog?

Viele. Die Schaffung eines Forums für die Hauptthemen und Hauptfragen eines Wissenschaftlers, insbesondere die Möglichkeit der Kommunikation zwischen sehr weit entfernten Wissenschaftlern zu einem Thema in Echtzeit, die Aneignung von Medienkompetenzen (Produktion und Kombination von Content, Code und Metadaten) als Erweiterung des sozialwissenschaftlichen Methodeninstrumentariums bzw., die Schaffung einer Leserschaft für zukünftig erscheinende Schriften.

Ich finde Weblogs als Self-Made-Medien von Wissenschaftlern viel spannender als eher stromlinienförmige journalistische Berichterstattung über Wissenschaft, wie man sie auch bei Spektrum der Wissenschaft und ähnlichen Heftchen lesen könnte.

11. Und das beste Argument dagegen?

Das Wissenschaftsbloggen ist redaktionell arbeitsintensiv, technisch anspruchsvoll und hat diverse Pferdefüße, z.B. mögliche Angriffe durch bots. Solange Aufbau und Pflege eines Wissenschaftsblogs so technisch anspruchsvoll sind, dass ein Professor dafür eine Hilfskraft braucht, ist es zu kompliziert. Die Bloggerei muss viel einfacher und benutzerfreundlicher werden.

Bloggen muß noch einfacher werden, damit Wissenschaftler es auch wirklich tun.

Außerdem sollten die Komponenten der Online-Identität eines Wissenschaftlers so auf verschiedene Provider verteilt und übersichtlich organisiert sein, dass der Wissenschaftler seine Online-Identität ohne Hilfe unter einem neuen Dach neu zusammen binden, sollte ein Schadensfall eintreten.

Abschreckend wirkt allerdings auch die Selbstreferenz: Wie Don Alphonso zutreffend feststellt, gibt es zu viele Medienblogs. Breite Resonanz lässt sich mit Internetthemen leichter erzielen als mit Wissenschaftsthemen. Schließlich sind bei Medien alle gut im Thema.

Bei näherem Hinsehen ist das jedoch sogar ein Argument für mehr Wissenschaftsblogs: Verehrte Wissenschaftskollegen – Ihr Beitrag ist wertvoll und wird gebraucht! Denjenigen, die das Bloggen nur als neue Zumutung thematisieren, darf man auch sagen: Wer sich nicht freiwillig zum Führen eines Weblogs entschließt, sondern lediglich einem äußeren Druck folgt, ist ohnehin zum Scheitern verurteilt, weil die Leserschaft ein sicheres Gespür für fehlende Authentizität hat.

12. Interessante Begebenheit im Zusammenhang mit Bloggen?

Viele. Wenn ich mich an Diskussionen oder Fachgesprächen beteilige, sind die Gesprächspartner oft gut über meine Positionen, Interessen und Aktivitäten informiert – ich finde das prima. Besonders freut mich immer, wenn ich Mitbloggern offline begegne oder Freunden und Kollegen im Netz.

13. Sind Kommentatoren in Blogs nicht eigentlich störend?

Ganz im Gegenteil. Kommentare ermöglichen eine direkte zeitnahe Konversation, und trackbacks das verteilte Gespräch.

Mit Pöbelfritzen bei den Kommentaren kann man umgehen. Spannend ist der interdisziplinäre Austausch.

Die spannendsten Konversationen sind die zwischen Vertretern verschiedener Fächer, in verschiedenen Sprachen und über nationale Grenzen hinweg. Das vereinzelte Auftauchen ausgemachter Pöbelfritzen kann den Eindruck nicht trüben. Da muss man sich durchsetzen.

14. Bei welcher Gelegenheit fallen Dir die besten Blog-Geschichten ein?

Fast jeder Ort kann inspirierend sein: Konferenzen, Seminare, das Stadtleben, der Garten, ein Urlaub. Die Stimmung muss passen.

15. Haben Blogs Suchtpotenzial, und wenn ja, was kann man dagegen tun?

Blogs haben nicht mehr und nicht weniger Suchtpotenzial als jede andere Aktivität auch, und damit meine ich keinesfalls nur Online-Aktivitäten (z.B. Spiele etc.), sondern alle Aktivitäten, die Menschen leidenschaftlich betreiben. Kein Mensch käme auf die Idee, das Lesen von Büchern als Sucht zu bezeichnen, weil das positiv assoziiert ist. Dabei weiß jeder, wie sehr einen ein gutes Buch packt.

Das beste Beispiel ist aber für mich der Börsenhandel. Jean Pierre Hassoun hat in seinem Aufsatz „Emotions on the Trading Floor: Social and symbolic expressions“ (2005) in Knorr-Cetina/Preda “The Sociology of Financial Markets” das emotionale Involvement der Börsenhändler untersucht. Dazu hat sich sprachliche Äußerungen vorgenommen, die Börsianer verlautbaren lassen, wenn sie ihrer Handelsaktivität auf dem Aktienmarkt nachgehen. Die beschreiben ihre Emotionen in drei Kategorien: (1) Leistung/Wettbewerb und Extreme, (2) Gewalt/Sieg/Angst und Macht sowie (3) Spiel, Vergnügen und sexuelle Aktivitäten. Ich würde Emotionen wie diese zunächst bei Online-Spielen erwarten, die mit Sucht und pathologischem Verhalten assoziiert sind. Beim Börsianer wird das extreme emotionale Involvement als professionell und heroisch wahrgenommen, weil es mit Arbeit und Erwerbsstreben verbunden ist, beim Online-Spieler oder Blogger wird es mit Sucht assoziiert. Dabei ist es einfach eine soziale Zusschreibung!

Nur weil Außenstehende keine Vorstellung davon haben, was Blogger im Internet tun und erleben, ist das Bloggen noch längst keine Sucht.

Funktioniert auch bei Genussmitteln, Sex, Glücksspiel, Sport, Fernsehen oder beim Lesen. Dahinter steckt aber eine sehr gestrige normative Aussage – Lesen ist sozial erwünscht, aber viel Zeit am Computer verbringen macht abhängig. Nur weil Außenstehende keine Vorstellung davon haben, was Blogger im Internet tun und erleben, ist das Bloggen noch längst keine Sucht.

16. Für welche nicht-wissenschaftliche Thematik wärst Du als Bloggerin prädestiniert?

Märkte, Unternehmen, Kapitalismus und Sozialstaat ist ein großes Thema. Aber das kommt bei mir ja ohnehin häufiger vor. Begeistern kann ich mich auch für Kunst und Kulturthemen.

17. Worüber werden wir niemals in Deinem Blog lesen?

Allzu Persönliches und Privates.

Vielen Dank für Deine Antworten.

Zum Blog von Tina geht es hier lang:
sozlog

Zur Profilseite im Wissenschafts-Café (mit Bewertungsmöglichkeit).

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8 Antworten auf “17 Fragen an… Tina Guenther von „sozlog“”

  1. Markus Trapp // 28. Juli 2008 | 17:42:

    Sehr gutes Interview – wieder einmal! – mit spannenden Einsichten in den Antworten. Danke dafür.

    Zwei Anmerkungen zum Kapitel 11 „Argumente gegen ein Blog“ (damit meine ich nicht den falschen Artikel, der hier im Wissenschaftscafé konsequent gegen die Tradition des korrekten Artikels angewandt wird. Es heißt immer noch DAS Blog, auch wenn noch so viele BloganfängerInnen in letzter Zeit den falschen Artikel wählen, nein ich meine Folgendes):

    Sehr gut finde ich die Bemerkung, dass diejenigen beim wissenschaftlichen Bloggen scheitern werden, die lediglich einem äußeren Druck folgen werden (Gespür für fehlende Authentizität). Kritisch finde ich die Behauptung, dass Blogs zu betreiben so anspruchsvoll sei, dass man dafür eine studentische Hilfskraft brauche. Mittlerweile ist doch die Blogsoftware so pflegeleicht zu handhaben, dass alle Wissenschaftler dies auch ohne Hilfskraft hinbekommen und zu Anfang fehlender Support sicher von den lokalen Rechenzentren geliefert werden kann. DARAN sollte es doch nicht scheitern. ;-)


  2. Tina // 16. Oktober 2008 | 16:26:

    @ textundblog: Die in der Blogosphäre und besonders von Marc Scheloske gepflegte Auffassung, dass das Bloggen einfach sei und man nur beginnen müsse, gehört m.E. zu den bestgepflegten Mythen innerhalb des Milieus, wo jeder über viel Medienkompetenz und Nutzungserfahrung verfügt. Aus Gesprächen auf Unifluren, Dienstzimmern und auf Konferenzen kann ich nicht bestätigen, dass dieses Wissen als selbstverständlich vorausgesetzt werden kann, weder technisch (wie etwas online stellen, das wird ja typischerweise einer Hilfskraft übertragen), noch sozial (Regeln, Gepflogenheiten, Erwartungen anderer Nutzer)?. Berichtet man etwas ausführlicher über Nutzungspraktiken und Potenziale, kommt nicht nur von etablierten, sonden leider auch von jüngeren Wissenschaftlern häufiger die Reaktion, dass ihnen das alles suspekt ist. Desinteresse und Ablehnung haben aber vor allem damit zu tun, dass die Wissenschaftler das Herstellen einer Online-Öffentlichkeit nicht belohnt sehen, obgleich es ja eine Transferleistung für wissenschaftliches Wissen darstellt.


  3. Marc // 16. Oktober 2008 | 22:51:

    @Tina:

    Die in der Blogosphäre und besonders von Marc Scheloske gepflegte Auffassung, dass das Bloggen einfach sei und man nur beginnen müsse, gehört m.E. zu den bestgepflegten Mythen innerhalb des Milieus, wo jeder über viel Medienkompetenz und Nutzungserfahrung verfügt.

    Einspruch! Ich differenziere sehr wohl zwischen den technischen und sozialen Aspekten, wenn es um den Einstieg ins Bloggen geht. Du hast vollkommen recht damit, daß man häufig auf Verwunderung trifft, wenn man Blogs als Kommunikationsformat im wissenschaftlichen Kontext erwähnt. Allerdings muß ich aus eigener Erfahrung auch erwähnen, daß ich regelmäßig auf offene, neugierige Ohren stoße, wenn ich von Wissenschaftsblogs erzähle. Zusammengefasst: es gibt Vorbehalte und (was schwerer wiegt) Akzeptanzprobleme, was damit zusammenhängt, daß die Reputationszuweisung zu träge ist und Wissenschaftsbloggen bislang nirgendwo „belohnt“ wird, wenn es um wissenschaftliche Credits geht.

    Aber wenn es um die technischen Schwellen geht, dann muß ich widersprechen. Denn wir reden doch bitte nicht über die Lehrstuhldinosaurier, die sich die Mails von der Sekretärin ausdrucken lassen. Klar, die gibt es, aber diese Spezies sind doch erstens in der Minderheit und zweitens (jedenfalls nach meinem Dafürhalten) nicht die Gruppe, von denen ich mir Blogaktivität wünsche.

    Soll heißen: die Gruppe der Doktoranden, Post-Docs und der Rest an akademisch tätigem Volk, das heute zwischen 30-50 Jahren alt ist, kann sich in wenigen Minuten einen Weblog einrichten. Ausnahmen bestätigen die Regel! Und die meine ich, wenn ich sage: Es ist einfach, probiert es aus! :-)


  4. Tina // 17. Oktober 2008 | 23:24:

    @ Marc: Dann scheint mir der Punkt zu sein, dass Du von einer anderen Gruppe von Wissenschaftlern sprichst als ich, wenn du schreibst: „Denn wir reden doch bitte nicht über die Lehrstuhldinosaurier, die sich die Mails von der Sekretärin ausdrucken lassen. Klar, die gibt es, aber diese Spezies sind doch erstens in der Minderheit und zweitens (jedenfalls nach meinem Dafürhalten) nicht die Gruppe, von denen ich mir Blogaktivität wünsche.“ – Aber selbstverständlich doch, Marc. Man sollte gerade über diese Gruppe der Professoren und Lehrstuhlinhaber sprechen und sie in ihrer Sprache und mit ihren Medien besonders ansprechen. Weshalb? Weil diese Professoren die Gruppe sind, die über viel Definitionsmacht verfügt, weil sie Zugang zu Gremien, Fachausschüssen, Beiräten etc., weil sie Studien-Prüfungs- und Promotionsordnungen macht und definiert, welche Leistungen in Rankings Gewicht haben und welche nicht. Das ist auch die Gruppe, dem Nachwuchs dazu rät, ihr Heil in der Anpassung zu suchen, Protest und Widerstand möglichst zu unterlassen. Dass Du bei Barcamps auf offene Ohren stößt: geschenkt. Ich möchte damit keinesfalls sagen, dass ein Wissenschaftler bloggen nicht können kann, im Gegenteil.


  5. Tina // 17. Oktober 2008 | 23:37:

    Ergänzung: Du schreibst, dass Du dir von etablierten Wissenschaftlern, die Du „Lehrstuhldinosaurier“ nennst, nicht unbedingt Blogaktivität wünschst. Wenn man wünscht, dass Wissenschaftsblogs im Wissenschaftsfeld Anerkennung und Aufwertung erfahren, kommt man um die Gruppe der am höchsten reputierten Wissenschaftler nicht herum und die „Erfahrung“, wie es ist, ist entscheidend, um darin einen Wert zu erkennen. Ich möchte die etablierten Wissenschaftler, gleichgültig ob sie ihre Sekretärinnen Mails ausdrucken lassen, adressieren, zu Weblog-Kommunikation einladen und nicht ausschließen.


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  • […] kommen hinzu: Ein “first hand” Dialog, eine Einladung zum Denken, ist als nicht eine zusätzliche an den Wissenschaftler gerichtete Zumutung gemeint, sondern vielmehr eine legitime Erwartung seitens der Öffentlichkeit, die ja über […]

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