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17 Fragen an… Andreas Müller von „Einsteins Kosmos“

16. Juni 2008 Einsortiert in 17 Fragen an..., Cafegespräche

Die wissenschaftliche Blogszene ist bunt. Es gibt bloggende Medienwissenschaftler und Historiker genauso wie Physiker oder Biologen. Und es gibt gar nicht wenige Blogger, die buchstäblich zu den Sternen greifen. Andreas Müller ist einer davon.

Er ist Astrophysiker und Mitglied der erfreulich aktiven Riege der „Astro-Blogger“. Im Haupt- und Brotberuf ist Andreas eigentlich wissenschaftlicher Koordinator im Exzellenzcluster Universe der TU München. Und wenn es seine Zeit zulässt, schreibt er über „Einsteins Kosmos“.

Es geht also weiter mit 17 Fragen an…

Andreas Müller

Dr. Andreas Müller
Astrophysiker, TU München

Einsteins Kosmos | KosmoLogs

Bloggt seit: November 2007
Frequenz: 1-2 Posts/Woche

 

1. Worüber hast Du zuletzt gebloggt?

„Was darf Forschung?“ – Über die Ethik der Forschung und die Verantwortung der Menschheit.

2. Wie erklärst Du beim Party-Small-Talk, womit Du dich wissenschaftlich beschäftigst?

Ich bin Astrophysiker und arbeite im Forschungsmanagement. An einer Forschungsinstitution organisiere und koordiniere ich die wissenschaftliche Arbeit in einem breiten Spektrum physikalischer Forschung. Meine Leidenschaft ist die Astronomie, ein Thema an dem die meisten Gesprächspartner recht interessiert sind, vor allem an den Schwarzen Löchern.

3. Schon einmal daran gedacht, die Wissenschaft an den Nagel zu hängen?
Das habe ich bereits 2007 in gewissem Sinne getan. Ich entschied mich für einen Beruf im Forschungsmanagement, der im Prinzip keine Zeit mehr für eigene Forschung lässt. Dennoch bin ich mittendrin im Wissenschaftsbetrieb und auf dem aktuellen Stand in meinem Forschungsgebiet, den Schwarzen Löchern. Selbstverständlich verfolge ich hier die Fachpresse.

4. Und womit ließe sich stattdessen die Zeit vertreiben?

Vielleicht wäre ich ohne Wissenschaft in der Unterhaltungsbranche gelandet. Ich stehe gerne auf Bühnen.

An sich eine schwierige Frage – Wissenschaft war mir schon immer wichtig, auch zu einer Zeit, als ich nicht mal wusste, dass man dieses Interessensgebiet so nennen sollte. Vielleicht wäre ich ohne Wissenschaft in der Unterhaltungsbranche gelandet. Ich stehe gerne auf Bühnen, um zu reden oder zu singen.

5. Das nervigste Detail am akademischen Betrieb?

Die „Scheuklappen“. Die Wissenschaft ist ein so breites Gebiet, aber um erfolgreich als Wissenschaftler zu sein, muss man sich extrem spezialisieren und jahrelang dasselbe Gebiet beackern. Mich hat hingegen immer die Breite interessiert: Physik (mit all ihren Teildisziplinen), Medizin, Philosophie, Geschichte, Politik u.a.

Dabei finde ich es hochinteressant Querverbindungen zu ziehen und die Chancen von Interdisziplinarität zu nutzen. Letztendlich kann ich mein Faible in meinem aktuellen Job als wissenschaftlicher Koordinator im „Exzellenzcluster Universe“ ohne Scheuklappen ausleben.

6. Wie erklärt man in drei Sätzen, weshalb Wissenschaft dennoch faszinierend ist?

Wissenschaft stillt die natürliche Neugier des Menschen sich und seine Umwelt begreifen zu wollen. Der wissenschaftlich handelnde Mensch erkennt die wunderbaren und schönen Gesetzmäßigkeiten der Natur. Dieses Verständnis und dessen Nutzung für sich gibt dem Menschen die höchste Befriedigung.

7. Die beste Antwort auf die Frage, was man unter “Web 2.0? und/oder der “Blogosphäre” versteht?

Das Web 2.0 macht hinter der Technik den menschlichen Aspekt sichtbar…

Web 2.0 und die Blogosphäre lassen hinter der Technik des Internets den menschlichen Aspekt aufflammen: Wissen teilen und mehren durch neue Kommunikationsformen. Es ist die nächste logische Entwicklungsstufe des WWW.

8. Auf welche Weise bist Du zum bloggen “verführt” worden?

Die Redaktion des Spektrum-Verlags in Heidelberg hat mich angesprochen, ob ich Interesse hätte mitzumachen. Ich war schon vor dem Bloggen viel im Internet unterwegs, pflege seit Jahren eine eigene Website und diskutiere via E-Mails oder in Internetforen. So war ich neugierig das Bloggen auszuprobieren.

9. Mehr als Kopfschütteln geerntet, als Du Kollegen von Deinem Blog erzählt hast?

Die Kollegen, mit denen ich darüber sprach, finden dieses Engagement sehr gut. Unter Wissenschaftlern ist es noch nicht verbreitet zu bloggen, einerseits weil es noch einen schlechten Ruf aus seiner Anfangszeit im nichtwissenschaftlichen Bloggen hat und andererseits weil gutes Blogging einfach zeitintensiv ist.

10. Ein unschlagbares Argument für einen wissenschaftlichen Blog?

Es ist ein Beschleuniger, um auf den Grund eines Themas und dessen Randaspekte zu kommen. Und es ist ein Beschleuniger, um interessante Leute kennen zu lernen.

11. Und das beste Argument dagegen?

Natürlich kostet Bloggen Zeit, aber von dieser Investition profitiert man ungemein.

Es ist für mich eine weitere Tätigkeit am Computer, obwohl ich schon beruflich viel am Computer arbeite. Es ist gut, auch mal der Mattscheibe fern zu sein. Kleiner Kommentar zum häufigsten Killer-Argument: Natürlich kostet Bloggen Zeit, aber von dieser Investition profitiert man ungemein.

12. Interessanteste Begebenheit im Zusammenhang mit der Bloggerei?

Ich blogge mit vielen weiteren Leuten bei den SciLogs. Bei unserem ersten Scilogs-Treffen war ich sehr erstaunt, wie reibungslos die Kommunikation auch ohne Computer funktionierte und wie viel wir uns zu sagen hatten, obwohl die Scilogger eine ganze bunte Mischung von Persönlichkeiten sind.

13. Sind Kommentatoren in Blogs nicht eigentlich störend?

Nein, sie sind ja integraler Bestandteil des Blogs. Kommentatoren bringen eine interessante Diskussion zum Sujet in Gang und erzeugen so einen Mehrwert zum Hauptartikel. Außerdem machen es Kommentatoren durch ihr Feedback dem Blogger möglich, neue Themen für den nächsten Blog aufzuspüren.

14. Bei welcher Gelegenheit, an welchem Ort fallen einem die besten (Blog-)Geschichten ein?

Beim Lesen, im Bett, unter der Dusche und auf dem Fahrrad.

15. Haben Blogs Suchtpotential und wenn ja, was kann man dagegen tun?

Ja und nichts. Man könnte höchstens mit einer Zeitreisemaschine in eine Prä-Internet-Ära reisen. Das wäre eine herrlich ruhige Zeit!

16. Für welche nichtwissenschaftliche Thematik wärst Du als Blogger prädestiniert?

Kindererziehung, das ist eine Wissenschaft für sich.

17. Und worüber werden wir niemals in Deinem Blog lesen?
Damenschuhe. Iberoromanische Linguistik. Fußball….och, da gibt es so einiges.

Vielen Dank für Deine Antworten.

Zum Blog von Andreas geht es hier lang:
Einsteins Kosmos

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1 Antwort auf “17 Fragen an… Andreas Müller von „Einsteins Kosmos“”

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