17 Fragen an… Ali Arbia von zoon politikon
Wer steckt hinter den einzelnen Blogs? Was treibt die Blogger an? Wie finden sie ihre Geschichten, wie kamen sie überhaupt zum bloggen? Stößt man immer noch auf Unverständnis, wenn man Kommilitionen oder Kollegen von seinem Blog erzählt? Sollte man sein Blogdasein vielleicht komplett verschweigen?
Und weshalb schreiben die Blogger überhaupt zu wissenschaftlichen Themen und nicht über was ganz anderes? – Allerhöchste Zeit, um all das in Erfahrung zu bringen.
Weiter geht es mit 17 Fragen an…
Ali Arbia
Zoon politikon (Scienceblogs)
Politikwissenschaftler
Doktorand / Graduate Institute of International and Development Studies in Genf
Bloggt seit: Februar 2008
Frequenz: 6 Posts/Woche
1. Worüber hast Du zuletzt gebloggt?
Ich habe über einen Artikel gebloggt. Eine gelungene Mischung aus Popkultur und Politikwissenschaften. Darin werden die einflussreichsten Denkschulen der Internationalen Beziehungen für die US Aussenpolitik mit verschiedenen Charakteren in Coppolas “Der Pate” in Verbindung gebracht werden.
2. Wie erklärst Du beim Party-Small-Talk, womit Du dich wissenschaftlich beschäftigst?
Wenn ich es kurz machen will (die meisten langweilt mein Thema): Ich arbeite zu präferenziellen Handelsabkommen und versuche zu verstehen, warum sich diese seit 1995 explosionsartig vermehren und was das für die Zukunft der Welthandelsorganisation bedeutet.
Wenn ich bereit bin auf Details einzugehen sage ich manchmal auch, dass ich inspiriert durch ein Essay eines Biologen über zwei päpstliche Enzykliken, versuche die Proliferation von präferenziellen Handelsabkommen zu erklären. Die nächsten Fragen sind dann garantiert.
3. Schon einmal daran gedacht, die Wissenschaft an den Nagel zu hängen?
Eher schon befürchtet, dass der Tag kommen wird an dem ich sie an den Nagel hängen muss. Ich fühle mich in Akademia sehr wohl und möchte wissenschaftlich arbeiten. Was ich gerne möchte ist aber leider nicht das einzige Kriterium bei der Zukunftsplanung.
4. Und womit ließe sich stattdessen die Zeit vertreiben?
Reisen. Lesen. Denken. Schreiben.
5. Das nervigste Detail am akademischen Betrieb?
Die Schuldgefühle wenn man wieder mal meint nicht (genug) gearbeitet zu haben und sich nicht vom Fleck zu bewegen. Bei mir schwingt sonst niemand die Peitsche und es gibt keine Stempeluhr.
6. Wie erklärt man in drei Sätzen, weshalb Wissenschaft dennoch fasziniert.
Es ist der Versuch, ‘Verstehen’ zum Beruf zu machen. Man entdeckt ständig neues und faszinierendes und lernt jedes mal erneut, die Welt aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Eine Arbeit in der Kreativität zentral ist und und im Idealfall ein Wettbewerb der Ideen herrscht, der frei von Dogma ist.
7. Die beste Antwort auf die Frage, was man unter “Web 2.0″ und/oder der “Blogosphäre” versteht?
Das Web 2.0 ist wohl eine Projektionsfläche für alles im Internet das nicht Hype sein soll. Die Blogosphäre ist für mich ein virtueller Raum mit einer Nische für jedermann und -frau in der man sich mit Gleichgesinnten (und am Anfang meist Unbekannten) auf einen Dialog und Austausch einlässt.
8. Auf welche Weise bist Du zum bloggen “verführt” worden?
Mein erstes (nicht öffentliches) Blog habe ich während eines längeren Aufenthalts im Südkaukasus als virtuelle Postkarte für die Daheimgebliebenen angefangen. Da ich meine Lebenspartnerin immer mit meinen Fundstücken aus den unendlichen Weiten des World Wide Webs eingedeckt habe, begann ich dann, diese in Blogform festzuhalten. So fing ich an regelmässig ScienceBlogs.com und andere englischsprachige Wissenschaftsblogs zu lesen. Ich vermisste Blogs aus meinem Fachbereich (Internationale Beziehungen) und beschloss so, zoon politikon zu starten.
9. Mehr als Kopfschütteln geerntet, als Du Kollegen von Deinem Blog erzählt hast?
Ich glaube nicht, das einer meiner Kollegen mein Blog schon entdeckt hat. Es ist aber nicht so, dass ich mein Doppelleben im Internet als Blogger verheimliche. Ich habe bis jetzt einfach noch nie davon gesprochen und viele meiner Kolleginnen und Kollegen sind nicht deutschsprachig. Ich warte noch darauf bis mich der erste Kollege ergoogelt.
10. Ein unschlagbares Argument für einen wissenschaftlichen Blog?
Wissenschaft lebt vom Austausch und vom Dialog. Wo kann man sonst jederzeit Diskussionen führen und sich mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den unterschiedlichsten Fachbereichen über aktuelles aber auch fachfremdes austauschen?
11. Und das beste Argument dagegen?
Ich sollte an meiner Diss arbeiten statt zu bloggen.
12. Interessanteste Begebenheit im Zusammenhang mit der Bloggerei?
Die Existenz meines Blogs in der Öffentlichkeit ist wohl noch nicht lange genug um viel zu erzählen zu haben. Ich finde es auf jeden Fall witzig, dass ich auf scienceblogs.de blogge, da die US Schwestersite mich zum Wissenschaftsblogging gebracht hat.
13. Sind Kommentatoren in Blogs nicht eigentlich störend?
Nein, ganz im Gegenteil, ich finde sie sind unabdingbar. Dieser Austausch ist neben der Aktualität wohl die wichtigste Stärke von Blogs und ist genau das, was sie von traditionellen Medien unterscheidet.
14. Bei welcher Gelegenheit, an welchem Ort fallen einem die besten (Blog-)Geschichten ein?
Beim Zeitungslesen oder im Internet surfen und beim diskutieren bei einem Glas Wein.
15. Haben Blogs Suchtpotential und wenn ja, was kann man dagegen tun?
Ein gewisses Suchtpotential ist bestimmt vorhanden, kann aber bei mir zumindest nicht immer klar von allgemeiner Internetsucht getrennt werden. Am schlimmsten finde ich was PZ Myers von Pharyngula inspiriert von einem Webcomic einmal als SIWOTI-Syndrom bezeichnet hat (Link). Was man dagegen tun kann? Modem ausstöpseln oder damit leben lernen.
16. Für welche nichtwissenschaftliche Thematik wärst Du als Blogger prädestiniert?
Ich könnte wohl über ähnliches schreiben. Politik und internationale Politik kann man auch unwissenschaftlich anpacken. Die Grenze ist fliessend. Über Literatur oder Filme zu schreiben, würde ich auch sehr spannend finden.
17. Und worüber werden wir niemals in Deinem Blog lesen?
Pseudo-analytisches Sportgebrabbel (“Hätte Team A noch ein Tor geschossen, hätten sie gewonnen” oder “wäre B schneller gelaufen, hätte sie noch Bronze geholt”) und die neuste Mode.
Vielen Dank für Deine Antworten.

Ich finde gerade die Vielseitigkeit, die einem ein Blog bietet so interessant. Zum Beispiel gehe ich nicht auf die großen Nachrichtenportale, sondern lasse mir stattdessen das interessante über Yigg.de rausfiltern (interessant, aber natürlich nicht zwangsweise = informativ). Oder man kann sich in seinem Bereich die Blogs der “Großen” der Szene raussuchen und auf Fachmagazine fast gänzlich verzichten, da Blogger in der Regel schneller sind und es über die Kommentarfunktion die Möglichkeit für einen Dialog gibt. Aber gerade in Deutschland haben wir noch einen weiten Weg zu gehen, nicht nur was die Blogosphäre an sich angeht, sondern generell die Vorzüge der Infrastrukutur des Web2.0. So gibt es “da draußen” noch unglaublich viel Wissen, was einfach nicht kommuniziert wird, da die meisten Menschen mit diesem Bereich nicht so umgehen können. Klar, hier und da ein Video auf Youtube zu schauen bekommen die meisten Surfer noch hin, aber zu aktiven Wissensvermittlern zu werden, das wird noch dauern und ich denke die ersten, die es mal wieder zuerst schaffen, werden die Amerikaner sein, die Begründer der Blogosphäre :)